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07.01.2021

5 min

1290 Wörter

Schildsprache: Information und Orientierung für kleine und große Gäste

Unterschiedliche Wahrnehmung: Was sehen Sie bei dieser Abbildung? Eine Waschschüssel oder Abwaschschüssel? Oder eine Schüssel gefüllt mit Popcorn? Bei einer Befragung von Menschen unterschiedlichen Alters stellte sich heraus, dass Erwachsene eher eine Waschschüssel mit viel Seifenschaum sehen, während Kinder eine Schüssel voller Popcorn erkennen. Was wir sehen hängt davon ab, was wir kennen und was wir sehen wollen. Wenn man mit Illustrationen und Symbolen arbeitet, muss man also auf Eindeutigkeit achten und überlegen, wen man ansprechen will., Foto: GvM

Altersgemäße Information: In diesem aktuellen Beispiel einer Anleitung zum richtigen Händewaschen ist der Inhalt altersgemäß aufbereitet. Die gleichen Informationen für Kinder, Grundschüler und Jugendliche. Je nach Alter mit viel Illustration, ohne Text und bunt, dann mit etwas Text aber immer noch sehr deutlichen Illustrationen und schließlich mit mehr Text, nicht mehr so bunt und Fotos statt kindlichen Illustrationen., Foto: https://www.infektionsschutz.de/mediathek/infografiken.html

Orientierung in größeren Anlagen: Gerade bei größeren Hotel-/Appartementanlagen oder in Freizeitparks ist ein Übersichtsplan für Klein und Groß hilfreich. Bei der Gestaltung helfen Symbole, so dass Kinder und Erwachsene sich schneller zurechtfinden. Eine sehr spielerische Gestaltung kann eine Schatzkarte sein, auf der die einzelnen Highlights eingezeichnet und entdeckt werden. Eine andere Möglichkeit ist den Geländeplan als eine Karte zum Ausmalen zu gestalten, die an die Kinder verteilt wird., Foto: Pirateninsel Usedom, www.hotel-seeklause.de/familie/piraten-insel-usedom

Orientierung in Orten: Die Einladung zu einer Entdeckungsreise mithilfe einer Schnitzeljagd über das Gelände oder durch den Ort mit einer Karte und zu lösenden Aufgaben kann Kindern die Orientierung erleichtern und gleichzeitig zum Spiel einladen. Den Abschluss kann die Verleihung einer Urkunde bilden oder die Übergabe eines kleinen Geschenkes., Foto: Ostseebad Trassenheide, TMV/GvM

Vielfältige Orientierungshilfen: Wegweiser müssen nicht immer Schilder auf verschiedenen Augenhöhen sein, sondern können auch auf dem Boden gezeichnete Pfeile, Linien oder Symbole sein. Ob eine durchgehende Linie, der man folgt oder Symbole an Kreuzungen, die auf die unterschiedlichen Ziele der Wege oder Attraktionen hinweisen., Foto: Karls Erlebnis-Dorf, TVM/GvM

Farben und Formen helfen beim Erkennen: Gerade kleinen Kindern helfen Farben und Bilder bei der Orientierung. Hier ist beides umgesetzt, farbige Tiere erleichtern das Wiederfinden des Stockwerks im Fahrstuhl., Foto: Casa Familia, TMV/GvM

Kombination von Bild, Farbe und Schrift: Auch die Beschilderung von Zimmern sollte für kleine und große Gäste gut erkennbar sein. Daher sind neben der Zimmernummer für Kinder Farben und Symbole wie Tiere, Pflanzen oder Gegenstände hilfreich. Hier hat das Schild noch die zusätzliche Funktion als Zimmer-Postkasten., Foto: Casa Familia, TMV/GvM

Wichtig, auch für die kleinen Gäste, ist die Beschilderung der Toiletten: Mit einer kindgerechten Illustration und auf Augenhöhe der Kinder wird hier auf die Kinder-Toilette hingewiesen., Foto: Seeklause, TVM/GvM

Beschilderung zur Steigerung des Services: Eine gute Beschilderung sorgt neben der Orientierung und dem Finden der gesuchten Orte für Information. Hier wird auf entsprechende, ergänzende Serviceangebote hingewiesen., Foto: Karls Erlebnis-Dorf, TMV/GvM

Gute und klare Kommunikation von Regeln: Beschilderung schafft Klarheit. Gerade schwierige Inhalte wie Einschränkungen oder Verbote müssen besonders klar und gut formuliert sein. Regeln ohne implizierte Vorwürfe führen zu einer höheren Akzeptanz bei den Gästen, die Bebilderung sorgt für mehr Aufmerksamkeit., Foto: Pirateninsel Usedom, TMV/GvM

Bilder erzeugen Aufmerksamkeit: Mit Illustrationen versehen gewinnen Verbote an Leichtigkeit, sie erfahren durch Farbe und Zeichnung eine freundliche Note, die es einfacher macht, Regeln und Einschränkungen zu transportieren. Zudem wird der Blick durch Farbe, Symbole und Bilder auf die Beschilderung gelenkt., Foto: Karls Erlebnis-Dorf, TMV/GvM

Illustrationen sorgen für Leichtigkeit bei schweren Inhalten: Mit der proaktiven Ansprache, der Namensgebung für das potentiell „gefährliche“ Tier, der Beschreibung der Ringelnatter als ängstlich und in Familie lebend, wird Sympathie für die Ringelnatter aufgebaut. Der Angst, die sonst beim überraschenden Entdecken entstehen könnte, wird so entgegengetreten – ein Beispiel für eine proaktive Kommunikation und die Verbindung von Bild und Text bei der Beschilderung., Foto: Familotel Borchard´s Rookhus, TMV/GvM

Orientierung für Klein und Groß
Ob bei der Wegführung in Freizeitparks, bei der Beschilderung in Orten oder in Hotels – im Tourismus gibt es viele Möglichkeiten, den Gästen die Orientierung zu erleichtern. Je besser die Beschilderung geplant und je klarer sie umgesetzt ist, desto weniger Fragen stellen die Gäste und umso einfacher finden sie sich zurecht. Schilder ersparen den Besucher*innen Frustration und Autonomie ist ein gutes Gefühl für Groß und Klein.
Die Beschilderung ist Teil des Erscheinungsbildes und der Kommunikation eines Unternehmens und somit auch Teil der Marke. In ihr sollten sich die Farben und das Schriftbild, das Logo oder das Maskottchen sowie der gesamte Stil des Unternehmens widerspiegeln. Für viele Bereiche der Beschilderung gibt es Standardausführungen. Besonders und oft sympathischer wirken individuelle Lösungen – dabei sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt, solange die Botschaft im Vordergrund steht.

Bilder sagen mehr als 1.000 Worte – wer kennt diese Aussage nicht?
Gerade beim Thema Leitsysteme und Beschilderung zeigt sich die Sinnhaftigkeit in diesem geflügelten Wort. Wir Menschen können Visuelles besser verarbeiten als Text, bei Kindern kommt hinzu, dass sie die Sprache noch nicht allumfänglich beherrschen. Auch internationalen Gästen kommt Eindeutigkeit entgegen. Piktogramme werden daher überall verwendet – ob für Toiletten, Fluchtwege, Verkehrsschilder oder Verbote.
Wissenschaftlich belegt ist, dass wir Bilder schneller erfassen können und die damit verbundenen Inhalte auch länger behalten. Informationen von Bildern werden nacheinander verarbeitet: Erst erreichen Farben und Formen die Menschen, dann die Bildelemente. Diese werden mit bereits bekannten Bildern abgeglichen und zugeordnet. Bilder schaffen Interesse, Neugier und Sympathie und erreichen dadurch, dass das Auge „hängen bleibt“. Wir beschäftigen uns dementsprechend länger mit den Inhalten und nehmen schließlich auch den dazu gehörigen Text wahr. (Quelle: A. Florack, M. Scarabis, E. Primosch (2012): Psychologie der Markenführung. München: Vahlen. S. 325.)

Beschilderung als Kunst
Ein Orientierungssystem hat nicht nur praktische Vorteile, es kann ebenso eine künstlerische Bereicherung sein: Ob illustrierte Karten, besonders gestaltete Wegweiser oder wiederkehrende ortstypische Symbole. Für all diejenigen, die ein Kinderprogramm anbieten, können Schilder, die vor allem Kinder ansprechen sollen (z. B. die Beschilderung von Kinderräumen), auch im Rahmen einer Kunstaktion zusammen mit einer Kindergruppe entworfen und gestaltet werden.

Schilder – einige konkrete Gestaltungstipps

  • Schilder sollten im Blickfeld der Menschen platziert sein, die sie ansprechen sollen, also auf Augenhöhe von Kindern und/oder Eltern. Fahnenschilder (Schilder, die in den Raum hineinragen) erhalten mehr Aufmerksamkeit als Schilder an der Wand, Bodenaufkleber oder -wegweiser sind gleichermaßen für kleine und große Gäste präsent.
  • Die Bedeutung der gewählten Motive muss sehr klar sein ebenso wie die Adressatengruppe, um eine Fehl-Interpretation zu vermeiden und möglichst ein unmittelbares Verstehen bei den Betrachter*innen zu gewährleisten.
  • Eine Farbcodierung hilft beim schnellen Erfassen z. B. von verschiedenen Stockwerken oder Strandzugängen: Blau eignet sich besonders gut als Hintergrundfarbe, wenn Sie etwas anbieten wollen. Rot ist die Farbe der Warnung, mit ihr können Sie auf Gefahren aufmerksam machen und andere sehr wichtige Informationen vermitteln. Grün ist die Farbe von Sicherheitsschildern wie Hinweise auf Notausgänge, Sammelplätze und Erste-Hilfe-Stationen, daher sollten Sie diese Farbe nur dafür einsetzen.
  • Die Beschriftung von Schildern sollte kurz und knapp und damit schnell erfassbar sein. Scheuen Sie sich nicht die Botschaft in Text und Bild doppelt auszudrücken – gerade das erleichtert das Verständnis und sorgt für ein schnelles Erfassen!

Mit diesen Tipps und Ihrer Kreativität erleichtern Sie Ihren Gästen die Orientierung!

Kirsten Harms und Antje Mein, Gäste von Morgen

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