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Sensible Naturräume schützen, Natur erlebbar machen: Gezielte Besucherlenkung in Vorpommern

25.09.2026

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In Anklam wurden Besucherlenkungskonzept und praxisorientiertes Handbuch für Vorpommern vorgestellt.

Wie können sensible Naturräume geschützt, Gäste sicher und gut informiert durch die Region geführt und gleichzeitig attraktive Naturerlebnisse ermöglicht werden? Mit diesen Fragen haben sich am Donnerstag rund 30 kommunale Vertreterinnen und Vertreter sowie weitere regionale Akteurinnen und Akteure im Regionalen Informations- und Tourismuszentrum (RITZ) in Anklam beschäftigt. Im Rahmen der Veranstaltung wurden das gemeinsam erarbeitete Besucherlenkungskonzept für die Lebenslandschaft Vorpommern und das dazugehörige Besucherlenkungshandbuch vorgestellt und übergeben.

Das Konzept wurde vom Tourismusverband Vorpommern e.V. im Rahmen der Lebenslandschaft Vorpommern gemeinsam mit den Gemeinden, Naturparken und weiteren Akteurinnen und Akteuren der Region erarbeitet. Unterstützt wurde der Prozess durch die Agentur team red. Grundlage waren eine umfassende Analyse der aktuellen Situation, Gespräche mit regionalen Expertinnen und Experten, Vor-Ort-Begehungen sowie Workshops in den fünf Modellregionen.

Fünf Modellregionen – unterschiedliche Herausforderungen, übertragbare Lösungen
Untersucht wurden das Waldgebiet Bansin-Ückeritz, die Südspitze des Gnitz, der Raum Kröslin–Freest, der Lassaner Winkel sowie die südliche Haffküste mit Altwarp. Die Modellregionen stehen beispielhaft für unterschiedliche Ausgangslagen und Nutzungskonflikte in Vorpommern: von stark frequentierten Naturräumen und Gefahrenstellen an Steilküsten über fehlende Wegeführungen und unklare Zugänge bis hin zu hohem Druck durch parkende PKWs in touristisch stark besuchten Orten.

Die Ergebnisse zeigen: Besucherlenkung braucht kein Standardrezept, sondern Lösungen, die zum jeweiligen Naturraum, zum Nutzungsdruck und zu den Bedürfnissen der Menschen vor Ort passen. Empfohlen werden unter anderem eine frühzeitige und einheitliche Information, klare Wegeführungen und Beschilderungen, eine bessere Trennung unterschiedlicher Nutzungsgruppen sowie sichere und attraktive Alternativangebote. Neue Rundwege, Aussichtspunkte und Erlebnispfade können dazu beitragen, Besucherströme zu verteilen und sensible Bereiche zu entlasten. Im Raum Kröslin–Freest wird beispielsweise die Entwicklung eines Rundwanderweges, der streckenweise mit einer Fährfahrt kombiniert werden kann, als naturverträgliches Erlebnisangebot vorgeschlagen.

„Wir verstehen Besucherlenkung als eine gemeinsame Aufgabe. Sie soll Natur erlebbar machen, die Aufenthaltsqualität für Gäste und Einheimische verbessern und Konflikte vermindern. Damit Maßnahmen dauerhaft wirksam sind, braucht es klare Zuständigkeiten sowie regelmäßige Kontrolle, Pflege und Anpassung“ erklärt Nicole Spittel, Projektleiterin beim Tourismusverband Vorpommern e. V.

Handbuch unterstützt Kommunen bei Planung und Umsetzung
Das Besucherlenkungshandbuch richtet sich insbesondere an kommunale Vertreterinnen und Vertreter und bietet eine praxisorientierte Arbeitsgrundlage für die Planung, Umsetzung und Unterhaltung von Besucherlenkungsmaßnahmen. Es betrachtet die gesamte Reisekette – von der Information und Tourenplanung über An- und Abreise bis zum Aufenthalt vor Ort.

Das Handbuch ist modular aufgebaut und kann je nach Fragestellung gezielt genutzt werden. Teil 1 unterstützt bei der Einschätzung der Bedürfnisse von Gästen und Einheimischen. Teil 2 zeigt, wie neue Wege, Routen und Infrastrukturen geplant und umgesetzt werden können. Teil 3 befasst sich mit dem laufenden Betrieb, Monitoring, Instandhaltung und Pflege. Ergänzt wird das Handbuch durch Praxisbeispiele aus den fünf Modellregionen, Checklisten, Hinweise zu rechtlichen Rahmenbedingungen und weiterführende Materialien.

„Kommunen sind ein wichtiger Knotenpunkt der Besucherlenkung. Bei ihnen laufen viele Fragen zu Wegen, Parkplätzen, Sicherheit, Naturräumen und Zuständigkeiten zusammen. Das neue Handbuch soll dabei helfen, aus diesen Herausforderungen konkrete und umsetzbare Schritte zu entwickeln“, fasst Nicole Spittel zusammen.

Das Besucherlenkungshandbuch steht ab sofort hier auf der Webseite der Lebenslandschaft Vorpommern zum Download bereit.

Lebenslandschaft Vorpommern: Gemeinsam mehr Natur wagen
In Vorpommern haben sich vier Organisationen zusammengetan, der Rewilding Oder Delta e. V., der Tourismusverband Vorpommern e. V., die Michael Succow Stiftung und die Ostseestiftung. Ihre Vision: eine Region, in der Mensch, Natur und lokale Wirtschaft in Einklang miteinander koexistieren können. Mit Offenheit für unterschiedliche Perspektiven und praktischen Lösungen wollen sie die Landschaft lebendiger gestalten, artenreiche Naturräume erhalten und die lokale Wirtschaft, sowie kulturelles und natürliches Leben stärken. Die Lebenslandschaft Vorpommern steht für die gemeinsame Arbeit von Tourismus und Naturschutz in der Region. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Natur, Lebensqualität und regionale Entwicklung zusammen gedacht und gestaltet werden können. Die Besucherlenkung ist dabei ein wichtiger Baustein: Sie schafft Orientierung, macht Natur verträglich erlebbar und unterstützt Kommunen und regionale Akteurinnen und Akteure bei der Entwicklung zukunftsfähiger Angebote. Das Vorhaben wird im Rahmen des „Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz“ durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.