Reiten

12.11.2020

3 min

657 Wörter

11. Fachtagung Pferdetourismus thematisierte Krisenmanagement

Etwa 30 Pferdetouristiker trafen sich am 3. November erstmals digital zur Fachtagung / Umfrage: Wirtschaftliche Lage pferdetouristischer Betriebe angespannt

Langfristige Coronafolgen für den Pferdetourismus 2020, Foto: TMV

Auf Einladung des Fachverbandes „LANDURLAUB Mecklenburg-Vorpommern“ und des Landestourismusverbandes nahmen am 03. November etwa 30 Pferdetouristiker aus dem Urlaubsland an der elften und erstmals digitalen Fachtagung „Pferdetourismus in Mecklenburg-Vorpommern“ teil. In diesem besonders herausfordernden Jahr ging es dabei vor allem um das Thema Krisenmanagement, genauer gesagt darum, an welchen Stellschrauben in Krisenzeiten gedreht werden kann und welche Fördermöglichkeiten sich infolge der Pandemie bieten. So referierten am Vormittag unter anderem Vertreter des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern, der Industrie- und Handelskammer zu Rostock sowie des Beratungsunternehmens BTE – Tourismus- und Regionalberatung Partnerschaftsgesellschaft mbB. Die geplante Präsenzveranstaltung im „FerienGut Dalwitz“ bei Walkendorf musste aufgrund der aktuellen Entwicklung rund um das Coronavirus kurzfristig abgesagt werden.

Wirtschaftliche Lage der Betriebe mit pferdetouristischen Angeboten angespannt
Bei der digitalen Fachtagung wurden neben Maßnahmen zum Krisenmanagement auch aktuelle Entwicklungen im Pferdetourismus vorgestellt, die der Landestourismusverband zusammen mit dem Fachverband „LANDURLAUB Mecklenburg-Vorpommern“ Anfang Oktober im Rahmen einer Befragung unter mehr als 51 Betrieben mit pferdetouristischen Angeboten untersucht hat. Laut dieser sind Pferdebetriebe und Reitvereine ebenso stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen wie die Übernachtungs- oder die Gastronomiebranche. So musste mehr als jeder dritte pferdetouristische Betrieb bereits Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken oder Tiere verkaufen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Zudem ist aktuell noch immer jedes dritte Unternehmen auf staatliche Hilfen angewiesen. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) fürchtet langfristig Finanzierungsprobleme, mehr als ein Viertel (26 Prozent) sogar eine Aufgabe der Geschäftstätigkeit. Rund 45 Prozent wünschen sich weitergehende Liquiditätshilfen oder Steuererleichterungen. Laut Umfrage kommen fast zwei Drittel der Reiturlauber aus Berlin. Folglich mussten auch die Pferdebetriebe in den Herbstfereien erneut extreme Umsatzverluste verbuchen. Deutlich wurde bei der Onlinetagung, dass die Pferde das Kapital der Unternehmen ist. Pferde benötigen trotz Lock Down (light) u. a. Pflege, Bewegung, einen sauberen Stall und täglich Futter - sie produzieren also permanent Kosten. Nur gibt es bislang keine Fördermöglichkeit für die Tiere, die die Basis eines Pferdebetriebes darstellen.

Zur Umfrage der Pferdebetriebe im Oktober 2020

Reitwegeregelung hält die Branche in Trab
Nachdem auf der Landtagssitzung am 14. November 2019 ein Antrag zur Überprüfung und Überarbeitung des aktuellen Reitwegegesetzes in Mecklenburg-Vorpommern gestellt wurde, erwartet die Branche noch in diesem Jahr ein neues Reitwegekonzept von der Landesregierung. Dazu Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern: „Was gut ist, kann noch besser werden: Im Reittourismus liegt ein enormes Potenzial für Mecklenburg-Vorpommern. Mit einer neuen Regelung, die das Reiten und Fahren in weiten Teilen des Landes ohne Reitwegeausweisung möglich macht, könnte sich der Nordosten zum beliebtesten Reiseziel für Reiturlaub entwickeln.“ Der Fachverband „LANDURLAUB Mecklenburg-Vorpommern“ und der Landestourismusverband fordern seit Jahren eine Liberalisierung der Reitwege und damit einhergehend eine Novellierung des seit 1993 geltenden Landeswaldgesetzes, welches das Reiten im Wald nur auf besonders gekennzeichneten Flächen gestattet. Die Verbände sprechen sich dabei dafür aus, dass Reiten und Fahren ohne Einschränkung und Ausweisung in Gebieten mit hohem Waldanteil, geringer touristischer Belastung und ohne besonderen Waldschutzstatus erlaubt sein soll. Dabei soll mit Augenmaß vorgegangen werden, das heißt, touristische Hochburgen, Schutzgebiete wie Nationalparke und Biosphärenreservate sollen ausgenommen und deren Nutzung durch eine Reitwegeausweisung geregelt sein.

Hintergrund:
Neben einem Wegenetz von rund 6.400 Kilometern Reit- und Fahrwegen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern knapp 300 Reiterhöfe und 250 Vereine, die darüber hinaus organisierte Wandertouren, Ausbildungen, professionelle Betreuung und erlebnisreichen Urlaub rund um das Pferd und für die ganze Familie anbieten. Mehr als 1.700 Züchter, 9.000 registrierte Reiter, Fahrer, Voltigierer und mehr als 10.000 Pferdefreunde befassen sich im Nordosten auf verschiedenste Art und Weise mit über 24.000 hier beheimateten Pferden. Weitere Informationen zu Reiturlaub in Mecklenburg-Vorpommern gibt es in der gleichnamigen Broschüre, die beim Landestourismusverband unter der Rufnummer 0381 40 30 500 erhältlich ist, sowie unter www.auf-nach-mv.de/reiten zum Herunterladen zur Verfügung steht.

LANDURLAUB MV

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