Familie & Kinder

19.08.2022

4 min

1021 Wörter

Nachhaltigkeit als Programmbaustein: Ein Trend im Familienprogramm

Das Thema Nachhaltigkeit entwickelt sich mit all seinen Facetten zu einem wichtigen Baustein im touristischen Angebot. Eine innovative Gestaltung des Familien- und Kinderprogramms integriert diesen Trend.

Bienenpfad Göhren-Lebbin, Foto: TMV/Birgit Blümer

Modellmöwe in Thyborøn (Nord-Dänemark), Foto: Kirsten Harms

Viele Familien setzen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit in ihrem Alltag auseinander. Kinder und Jugendliche machen sich Gedanken, sie verfügen über ein unterschiedliches Wissen zu dem Thema: Sie sind beeinflusst durch Familie, Schule, Freunde und Peers, durch ihre Sozialisation auf dem Land oder in der Stadt, durch den Besuch von Waldkindergärten, der Teilnahme an Projekten wie Ackerhelden, Gemüseackerdemie etc. oder ihre Auseinandersetzung mit Ernährungsformen. Einige engagieren sich in Projekten oder bei den Demonstrationen von Fridays for future, andere haben (noch) keinen Zugang zu der Thematik.

Nachhaltigkeit als Thema im Kinder- und Familienprogramm

Das Thema Nachhaltigkeit bietet viele Ansatzpunkte für die Gestaltung des Urlaubs-Angebotes für Kinder und Familien. Das Programm sollte zeigen, dass Nachhaltigkeit Spaß machen kann und mit fantasievollen Projekten die Neugier wecken und anregen.
Wichtig für die Gestaltung und Durchführung der Programme ist es, optimistisch auf die vielen unterschiedlichen Lösungsansätze zu verweisen und Handlungsoptionen gegen die empfundene Ohnmacht zu bieten, da einige Kinder angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung und den sichtbaren Auswirkungen Zukunftsängste entwickeln.

Ansatzpunkte für die Kinderbetreuung

Bei der Gestaltung von Programmangeboten, die Nachhaltigkeit mitdenken, gehen wir von drei Ansätzen aus:

Den Wert der Natur verstehen durch Entdecken

Nur was man kennt und schätzt, schützt und bewahrt man aus Überzeugung. Unter diesem Aspekt ist es im Sinne der Nachhaltigkeit, Kindern (und Erwachsenen) die Umgebung, die Vielfalt der regionalen Natur und die Tierwelt näher zu bringen. Zum Beispiel mit Entdeckerwanderungen, ausgerüstet mit Becherlupen, auf Klimadetektivtouren, auf denen Wissensfragen beantwortet und Sammelaufträge erfüllt werden müssen oder beim Eintauchen in die Natur wie beim Waldbaden. Beispielhaft sind der Bienenlehrpfad in Göhren-Lebbin, auf dem Eltern und Kinder spielerisch viel über den Lebensraum von Bienen lernen oder der Kinderheilwald in Heringsdorf: Hier erkunden Kinder den Zauberwald und entdecken die Bewohner des Waldes.

Liebe geht durch den Magen – diese Aussage gilt auch für die Natur: ein Minzwasser oder eine Limonade aus selbst gesuchten Kräutern; Hochbeete, von denen Kinder selbst ernten können, ein Kräutergarten, der von den Gästen genutzt werden kann oder eine „Naschecke“ im Garten mit Johannisbeeren oder Pflaumenbaum wie im Hotel Sturm in der Rhön. Bei all diesen Beispielen wird bewusst, welche Schätze die Natur bietet und wie schmackhaft sie ist.

Programmangebote und Aktivitäten, bei denen kein Auto benötigt wird, erweitern das Portfolio an nachhaltigen Angeboten. Eine gute Kommunikation mit Hinweisen auf Alternativen sorgt dafür, dass Familien dennoch vor Ort mobil sind (z. B. Autofreier Urlaub im Ostseebad Eckernförde). Beispielsweise fördert das Hotel Chesa Valisa den Verzicht auf das eigene Auto mit dem Hinweis auf kostenlose Busnutzung und „belohnt“ Urlauber mit einem regionalen Käse, den sie zur Abreise erhalten.

Die zunehmende Verschmutzung der Natur, ob im Wald, an den Stränden oder im Meer löst bei vielen Gästen einen Handlungsimpuls aus. Eine Müll-Sammelaktion, ein Beach Clean-Up, mit gemeinsamer Abschlussveranstaltung kann eine tolle Familienaktion sein. Aus Strandgut lässt sich anschließend im Kinderprogramm Kunst gestalten, die dann in einer Müll-Galerie ausgestellt wird. Ein paar Beispiele: Im Gutshaus Neuendorf steht ein Kasten mit kleinen Geschenken, die gegen gesammelten Müll eingetauscht werden können. In Kopenhagen wird vom Kajak aus Müll gesammelt, das Ausleihen ist gratis, wenn man mit einer Tüte Müll zurückkehrt. Und ein weiteres Beispiel aus Dänemark: In Thyborøn, in Nord-Dänemark, nehmen sich Spaziergänger eine leere Plastiktüte, mit der sie dann, gefüllt mit gesammelten Müll, die Modellmöwe füttern (s. Bild oben).

Zusammenhänge verstehen durch Experimente

Kinder sind neugierig und hinterfragen: Wer Zusammenhänge versteht, kann sein eigenes Handeln besser ableiten. Dabei helfen Experimente, um so Windenergie, Wasserkraft etc. zu verstehen. Kleinere „Versuche“, wie das Bauen eines Wasserrads, lassen sich in das Kinderprogramm integrieren oder zu einem Kinderforschertag zusammenfassen. Das Entdecker-Hotel in Südtirol hat sich auf solche Angebote mit seiner Entdecker-Werkstatt fokussiert und einige Freizeiteinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern wie bspw. das Experimentarium in Zingst oder das LEEA in Neustrelitz haben sich komplett darauf ausgerichtet.

Den Wert von Dingen verstehen: Weiterverwenden statt wegwerfen

Dinge selbst herzustellen, steigert den Wert und verdeutlicht auf spielerische Weise den Aufwand an Zeit, Energie und Material. Aus alten Sachen oder gefundenen Dingen entstehen neue Schätze. Recycling oder Upcycling geben vermeintlich überflüssigen Gegenständen einen neuen Sinn: aus einer alten Jeans wird eine Tasche geschneidert, aus einem Tetrapak wird ein Windlicht oder aus Strandgut ein Mobile. Immer entstehen ganz persönliche und individuelle Stücke und ganz nebenbei verändert sich die Wahrnehmung von Konsum. Das Ozeaneum veranstaltet im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2022 Upcycling-Workshops ebenso wie das Grandhotel Cosmopolis Aktivitäten zu unterschiedlichen Upcycling-Themen anbietet.

Ausblick

Zusammenfassend wird deutlich, dass das Thema Nachhaltigkeit bereits Einzug gehalten hat in das Programm für Familien und Kinder. Viele der Teilnehmer des QMF haben kreative Angebote zusammengestellt und entwickeln diese stetig weiter. Deutlich wird auch, dass es viele verschiedene und auch unterschiedlich umfangreiche Möglichkeiten gibt, der Nachfrage Rechnung zu tragen: von Anregungen für individuelle Aktivitäten, Kooperationen mit Erlebnisanbietern, selbst organisierten Workshops bis zur Integration in das Familienprogramm. Lassen Sie sich von den Beispielen und Literaturtipps inspirieren bei der zukünftigen Angebotsgestaltung!

 

Literatur

Spiel- und Programmtipps

 

Bücher zum Thema Klimawandel

  • Tim Schulze: In Zukunft hitzefrei? Das Jugendbuch zum Klimawandel. Oekom Verlag, München 2020
  • David Nelles & Christian Serre: Kleine Gase – Große Wirkung. Der Klimawandel. Friedrichshafen 2018

Kirsten Harms – Gäste von Morgen

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