Familie & Kinder

27.06.2022

4 min

998 Wörter

So können Sie Ihre Familienangebote altersübergreifend gestalten

Schon beim Wort Urlaub leuchten die Augen von Groß und Klein. Was ist Familien im Urlaub wichtig? Laut Erhebungen vergangener Jahre legen befragte Kinder und Eltern viel Wert auf gemeinsam verbrachte Aktivitäten im Urlaub. Heute, nach zwei Jahren pandemisch bedingtem, räumlich begrenztem und an Alltagsroutinen orientiertem Familiengeschehen, geht es mehr denn je um eine Unterbrechung des Alltags. Es braucht einen „Tapetenwechsel“. Und der Familienurlaub bietet eine gute Möglichkeit, mit gemeinsamen Erfahrungen auch die Bindung innerhalb der Familie zu stärken.

Familienausflug zum Dierhagener Strand, Foto: TMV/Roth

Im Ostseebad Trassenheide wird Gustav, der kleine gekrönte Fisch, als Erkennungszeichen für Betriebe und Orte genutzt, welche im QMF zertifiziert sind, um im Veranstaltungskalender (Print und Website) auf Angebote für Familien hinzuweisen., Foto: TMV/ Gäste von Morgen

Kulturquartier Neustrelitz: Was hier gelingt, ist die Kombination von analogem Erleben und digitalen Elementen, zum Beispiel bei der Digitalen Museumsrallye., Foto: TMV/ Gäste von Morgen

Familien interessieren sich für Erlebnisse

Innerhalb der Familie sind natürlicherweise mehrere Generationen vereint, die Lebensalter-entsprechend verschiedenste Bedürfnisse und Interessen verfolgen. Im Urlaub gilt es, diese nun unter einen Hut zu bekommen. Dabei geht es den meisten Familien nicht darum, Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Im Urlaub ist es Eltern und Kindern wichtig, gemeinsam Zeit zu verbringen, Spaß zu haben und so gute Erinnerungen zu schaffen. Diese werden bestenfalls zu Anekdoten, welche die individuelle Familiengeschichte bereichern.

Als besonders stärkend werden von Familien Angebote wahrgenommen, bei denen gemeinsam etwas neu erfahren werden kann. So können körperliche Aktivitäten wie Radtouren, Segel-, Surf-, Yoga- und Tanzkurse durch das gemeinsame Erlernen eine „Augenhöhe“ schaffen und somit neue Möglichkeiten des Austauschs von Erfahrungen in der Familie. Und das Erlebnis wird besonders, wenn den Kindern vor Augen ist, dass auch Mama und Papa beispielsweise den Stand auf dem Surfbrett erst erlernen müssen.

Urlaubszeit ist demzufolge auch eine Zeit von intensiven Aushandlungsprozessen innerhalb der Familie. Manche Familien praktizieren wechselnde "Bestimmertage": An einem Tag sagen die Kinder, worauf sie Lust haben, und es geht beispielsweise ins Spaßbad oder in den Zoo. An anderen Tagen gibt es eine Radtour oder einen Gang durchs Museum, was die Erwachsenen favorisieren. Und was gibt es nicht alles zu entdecken!

Urlaub schult also das gemeinsame Aushandeln. Dabei teilen viele Familien die Erfahrung, dass genau darin auch Konfliktpotenzial liegt. Aus diesem Grund sind touristische Angebote, bei denen altersübergreifend alle Mitglieder der Familie angesprochen werden, besonders attraktiv.

Die alte, neue Sehnsucht nach Naturerleben

Laut jüngster Befragung der Stiftung für Zukunftsfragen ist eine Abwendung vom "Overtourism" zu erkennen: Die alte Gleichung, wo viel los ist, erlebt man auch viel, kehrt sich ins Gegenteil um. Die Sehnsucht nach Natur ist bei großen und kleinen Menschen aktuell groß.

Ein weiterer interessanter Trend ist, dass in der Balance zwischen digital und analog etwas in Bewegung gerät: durchschnittlich 57 Prozent (junge Erwachsene 49 Prozent, Eltern 59 Prozent) wünschen sich Aufmerksamkeit ohne Ablenkung – konkret öffentliche Bereiche ohne Internet. Das klingt wie eine Einladung, in Urlaubsangeboten zukünftig auch Räume für „digital detox“ mitzudenken. Das bedeute, selbst wenn der Fokus in den Betrieben stark auf Prozesse der Digitalisierung gerichtet ist, lohnt es sich, Innovationen in analogen Bereichen voranzutreiben und auch Angebote dahingehend zu überprüfen.

Gute Praxis für Familien in MV

Die Bandbreite der Erlebnispartner des Qualitätsmanagement Familienurlaub in MV spannt sich vom Nationalen Naturmonument Ivenacker Eichen bis zu den nachhaltigkeitsorientierten Angeboten für Familien beim Landeszentrum für erneuerbare Energien MV (Leea) in Neustrelitz. Die beiden ausgewählten Beispiele treffen sehr zeitgemäß die Bedürfnisse von Familien nach Naturerleben und Auseinandersetzung mit dem Erhalt unserer Umwelt.

Mit dem Kulturquartier Neustrelitz ist ein Platz geschaffen worden, der sich ideal für Familien präsentiert. Bibliothek, Café, ein Garten, eine Thementour zur Stadtgeschichte und diverse Sonderausstellungen laden Familien, Einheimische und Touristen gleichermaßen ein, dort den ganzen Tag zu verbringen.

Auch das Ostseebad Trassenheide begegnet dem wachsenden Bedürfnis von Familien nach Naturerleben. Inspiriert durch die Rückmeldungen in der dortigen Gästebefragung wurde eine Geocachingtour durch den Ort weiterentwickelt und ein Angebot zum Waldbaden ersonnen.

Qualität für Familien sichern, das erfordert eine beständige Reflexion

Beherbergungsbetriebe, Erlebnispartner, Orte und Gastronomiebetriebe mit einem Fokus auf die Zielgruppe Familie sind also gut beraten, im Sinne ihrer Adressatengruppe regelmäßig zu überprüfen:

  • Ist unser Angebot sprachlich so gestaltet, dass sich Kinder verschiedener Altersgruppen und Erwachsene angesprochen fühlen?
  • Gibt es bei der Bewerbung von Angeboten (Web, Print, Social Media) neben inhaltlichen Angaben, ausreichend grafische Darstellungen, welche die Aufmerksamkeit von Kindern auf sich ziehen?
  • Sind Veranstaltungen, die für Familien erdacht sind, erkennbar gekennzeichnet?
  • Womit sorgen wir bei der Durchführung unseres Angebotes dafür, dass alle Familienmitglieder einbezogen werden? (z. B. Ansprache, Aufgabenvielfalt, Kombination verschiedener Schwierigkeitsgrade von Aufgaben)
  • Was genau ist der gemeinsame Erlebniseffekt?
  • Wenn es Angebote mit Fokus speziell auf die Kinder gibt, mit welchen Parallelangeboten sorgen wir dafür, dass die Eltern auf ihre Kosten kommen?
  • Welche Räume, Aktionen bieten wir, mit denen auch ein altersspezifisches Nebeneinander ermöglicht wird?
  • Gibt es auch getrennte Spielbereiche für Kleinere und Größere?
  • Beinhaltet eine ursprünglich für Schulklassen konzipierte Präsentation oder Führung ausreichend Informationen für Eltern und Kinder anderer Altersgruppen?
  • Welches attraktive Parallelangebot bieten wir Eltern, die Kinder beispielsweise bei Ferienschwimmkursen begleiten?
  • Gibt es Ruhezonen für Kleinkinder oder Eltern?
  • Gibt es ein Bewusstsein dafür, dass Großeltern oft ein größeres Informationsbedürfnis haben?
  • Sind die Spielplätze im Ort familienfreundlich gedacht und einladend?
  • Welchen Bedürfnissen und Trends folgen Familien?

Umfassende Anregungen zu all diesen Punkten und Best Practice bietet auch der Praxisleitfaden „Familienurlaub mit Qualität“ des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Die Betriebe, die sich dem Qualitätsmanagement Familienurlaub in MV angeschlossen haben, nutzen diese Art der intensiven Zielgruppenreflexion, wenn sie sich alle drei Jahre um eine Aktualisierung ihres Zertifikats bewerben.

Antje Mein, Gäste von Morgen

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