TMV aktuell

23.12.2019

3 min

693 Wörter

Open Data – Chance und Herausforderung für einen wettbewerbsfähigen Deutschlandtourismus

Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus, über den aktuellen Stand des Open-Data-Projekts der deutschen Tourismuswirtschaft

Petra Hedorfer, Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Zentrale für Tourismus, Foto: DZT/Farideh Diehl

Das Management von Daten und Datenflüssen wird künftig immer stärker die Aufgaben der Destinationsmarketingorganisationen prägen. Das ergibt sich aus der engen Verzahnung von digitalen Technologien, dem enormen Wachstum in allen Quellmärkten des weltweiten Tourismus, den Konzentrations- und Globalisierungsprozessen in der internationalen Reiseindustrie sowie dem sich wandelnden Verbraucherverhalten. Ein gemeinsames Datenmanagement über alle Ebenen der Tourismusbranche ist die zentrale Aufgabe, damit das Reiseland Deutschland seine Chancen im schärfer werdenden Wettbewerb erhalten und ausbauen kann.

Digitalen Wandel gestalten

Digitale Megatrends wie Conversational Interfaces, Künstliche Intelligenz, Smart Cities oder das Internet der Dinge verändern die touristische Welt radikal. Anbieter gewinnen Chancen auf eine neue Qualität der Konsumentenorientierung, Kunden können sich auf eine neue Dimension von Services einstellen, die ihnen über unterschiedliche touch points „frei Haus“ geliefert werden. Ein erheblicher Teil der nötigen Daten ist heute bereits online verfügbar, liegt aber an völlig verschiedenen Orten in unterschiedlicher Qualität vor. Diese Daten müssen aus den unterschiedlichen Silos zusammengeführt und in einer einheitlichen Struktur auffindbar und lesbar werden. „Linked Open Data“ ermöglicht über einen gemeinsamen Knowledge Graphen den ungehinderten digitalen Austausch von Wissen.

Dann können beispielsweise Tipps für Aktivtouren in den Bergen jahreszeitspezifisch mit den aktuellen Wetterdaten und den Öffnungszeiten der Liftanlagen kombiniert und als individuelle Angebote dem Kunden zur Verfügung gestellt werden. Vorteile von Graph-Datenbanken:

  • Suche im semantischen Kontext
  • Schnelligkeit
  • Geeignet für Conversational Interfaces wie Sprachassistenten
  • Nutzung durch viele Anbieter möglich.

Deutschland im internationalen Wettbewerb

Im europäischen Vergleich lag Deutschland 2018 laut „Open Data Maturity in Europe“-Report von Capgemini auf Platz 17. Hier gilt es, Boden gut zu machen. Im Tourismus haben wichtige Wettbewerber für das Reiseland Deutschland auf dem europäischen Markt, beispielsweise die Schweiz, Österreich und Italien bereits sehr frühzeitig begonnen, intensiv an der Entwicklung und Implementierung übergreifender Datenstandards zu arbeiten. Wenn wir die Chancen offener, strukturierter, digitaler Daten, die allen Nutzern im Markt in gleicher Qualität zur Verfügung stehen, nicht nutzen, ignorieren die Systeme den Content, der potenzielle Gast wird nicht erreicht, deutsche Destinationen und touristische Anbieter verlieren im Wettbewerb.

Erste Schritte zum gemeinsamen Datenstandard

Da die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) über ein starkes Netzwerk relevanter Partner im Deutschland-Tourismus, internationale Präsenz, Kontakte zu den globalen Plattformen und eine umfangreiche Expertise im Rahmen der digitalen Transformation verfügt, wurde sie von den Landesmarketingorganisationen (LMOs) gebeten, die Koordination eines gemeinsamen Open Data/Knowledge Graph-Projektes der deutschen Tourismuswirtschaft zu übernehmen.

Audit vermittelt realistisches Bild vom Status quo

Um zunächst einmal zu analysieren, welcher Handlungsbedarf besteht, hat die Deutsche Zentrale für Tourismus im Sommer 2019 ein Audit zum Ist-Stand von Datentypen, Content-Typen und verwendeten technischen Systemen auf Ebene der Landesmarketingorganisationen und weiterer touristischer Partner, wie der Magic Cities, der Marketingorganisation der zehn größten deutschen Städte, auf den Weg gebracht, das gerade planmäßig abgeschlossen wurde. Die Ergebnisse des Audits bilden die Grundlage für weitere Prozessschritte auf Ebene der LMOs und die Definition der Anforderungen an den Knowledge Graphen.

Knowledge Transfer über Wissensplattform für Partner und Interessierte

Parallel zur Erfassung des Status im Audit hat die DZT das bisher gesammelte Wissen geordnet und allgemeinverständlich aufbereitet. Die DZT-Open-Data-Wissensplattform bietet auf der Webseite www.open-data-germany.org Antworten auf zahlreiche Fragen rund um das Thema Open Data. Konkrete Handlungsempfehlungen und Hilfestellungen sollen vor allem mittelständischen Unternehmen und Organisationen den praktischen Einstieg in die Open-Data- Welt erleichtern. Konkret geht es neben FAQ´s und technischen Informationen vor allem um Nutzer- und Rahmenverträge zur Umsetzung. Die Wissensplattform ist als atmendes System angelegt, das auch durch die Dokumentation erfolgreicher Best Practice-Beispiele, Informationen zum Open Data-Projekt und durch weitere Fachartikel kontinuierlich erweitert wird.

Wir sind sicher, dass das Open Data-Projekt der deutschen Tourismusindustrie und dem Tourismusstandort Deutschland die Chance zur erfolgreichen Teilnahme an der künftigen globalen touristischen Entwicklung öffnet.

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